Buchtipp: microman – kein fucking superheld

Jasper ist ziemlich faul. Mit der Schauspielerei läuft es nicht so richtig und eigentlich hängt er lieber mit heißen Bräuten und Kumpels ab. Er ärgert sich mit durchgedrehten Ex-Affären herum, hasst seine Mutter leidenschaftlich und mag es, mit seiner besten Freundin Cora Gras zu rauchen. Als Jasper plötzlich immer häufiger Aussetzer hat, nach denen er nackt an einem anderen Ort wieder zu sich kommt, ahnt er, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Aufklärung kann ihm da nur sein Dad geben. Doch der hat nicht nur Antworten auf Jaspers Aussetzer. Er bringt auch einen ganzen Haufen neuer Probleme und einen Feind mit…

microman

Dieses Mal in eigener Sache, denn dieses Buch ist von mir persönlich geschrieben. 🙂
Es ist der Auftakt einer Trilogie über einen nicht ganz so gewöhnlichen Superhelden, der sich selbst auch eigentlich gar nicht weiter als Superheld betrachtet.
Dass er Kräfte genetisch vererbt bekommen hat, will er anfangs auch gar nicht so richtig glauben, denn sowas ist Unsinn und gibt es in Wirklichkeit gar nicht – ein Fehldenken, wie er nach einiger Zeit doch zugeben muss. Anstatt jedoch diese Fähigkeiten zu nutzen, um wie Ironman, Antman oder Spiderman die Welt zu retten, nutzt er sie lieber für eigene Zwecke und offene Rechnungen. Unterstützt wird er dabei tatkräftig von seiner besten Freundin Cora. Allerdings geschehen einige unvorhergesehen Dinge, die Jasper anders handeln lassen, als er es je für möglich gehalten hätte.

Band 2 und 3 sind bereits geschrieben und in der Korrektur. Sollte euch dieses Buch gefallen, dann freut euch schon mal auf den Sommer. Denn dann kommt voraussichtlich der zweite Teil „microman – fucking superhelden“ auf den Markt.

Zu erwerben gibt es das Buch übrigens als eBook und im Taschenbuch Format bei Thalia, Mayerscheamazon oder in anderen großen Buchhandlungen im online Vertrieb. 🙂

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Meine Gedanken zu „Harry Potter und das verwunschene Kind“

(sogar spoilerfrei ;))

Der neue „achte“ Harry Potter Band. Ein viel umstrittenes Buch, wie ich auf meiner Facebook Timeline seit dem Tag der Originalerscheinung feststellen konnte. Bereits am selbigen Tag las ich dort Kommentare, dass das Buch teilweise nicht gut ankam bei einigen Potterheads. Und solche Posts und Kommentare sollte ich bis heute noch vermehrt vorfinden. Worte wie scheiße, kacke, Hohn, schlecht und Fanfiction fielen in diesem Zusammenhang. Da ich nun mal ein Deutschleser bin, habe ich brav gewartet, bis gestern der deutsche Band erschien. Eigentlich wollte ich ihn gemütlich auf einer längeren Busfahrt lesen. Ein erneuter Ausbruch der negativen Kommentare (die im Übrigen sehr unschön sind, wenn man sich selbst noch auf das Buch freut und man sich dann sagen lassen darf „Du wirst es auch scheiße finden“ oder „Viel Spaß mit der Fanfiction“) hat mich dann aber dazu bewegt, es doch sofort anzufangen.

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Und hier sind meine persönlichen Gedanken zu dem Buch:

Zu allererst muss ich sagen: Nein, ich finde es nicht scheiße. Ich mag es sogar recht gerne. Es ist ein Buch aus dem Potter Universum. Also ein Buch, von dem JKR nach dem 7. Band verkündete, dass es so nie wieder von ihr geben wird. Und dann kamen plötzlich doch das Theaterstück „Harry Potter and the cursed child“ und damit auch dieses Buch. Ein großer Hype brach los und alle Potterheads freuetn sich wie irre. Und ich glaube, dass u.a. genau diese Kombination der Grund ist, weshalb viele Leser dieses Buch „scheiße“ fanden. Soll heißen: Ich kann diese Ausbrüche verstehen, auch wenn ich sie persönlich nicht teile.

Natürlich ist es erst einmal die persönliche Ansicht eines jedem selbst, ob ihm etwas gefällt oder nicht. An dieser Meinung ist nichts verwerflich oder zu rütteln (außer, wenn den Leuten, die voller Vorfreude auf das Buch warten, die Stimmung schon im Vornherein versucht wird zu vermiesen). Allerdings denke ich, dass bereits genannte Faktoren eine nicht ganz unwichtige Rolle zu diesen negativen Meinungen beisteuern.

  • Vorfreude
  • Theaterstück

Man kann sich Dinge auch ganz einfach selbst kaputt machen, in dem man seine Vorfreude und damit seine Erwartungen so ins Unermessliche schraubt, dass das zu Erwartende einfach nur noch enttäuschend sein kann. Selbst schon unzählige Male erlebt mit Filmen und Büchern. Man steigert sich zu sehr rein oder bekommt es so schmackhaft von Freunden serviert, dass die Ansprüche daran einfach zu hoch gesteckt sind.
Und im Falle von Harry Potter war zumindest zu erwarten, dass der neue Teil einfach nicht mehr mit den ersten sieben Bänden mithalten kann und der Achte damit sosagen ein schöner Ausflug zurück in die Harry Potter Welt wird. Das zumindest war von Anfang an meine Einstellung zu diesem Buch und ich wurde nicht enttäucht.
Die Charaktere sind einfach nicht mehr die, die wir einst kannten. Sie sind erwachsen geworden und zu der neuen Generation haben wir keinen Bezug. Deshalb ist es quasi eine neue Geschichte mit „neuen“ Charakteren, in die wir geschickt werden. Darauf muss man sich eben Einlassen. Und wenn man das nicht will… dann kann es eben nur blöd werden. 😉

Das viel größere „Problem“ bei dieser Harry Potter Geschichte sehe ich aber darin, dass es sich hier nicht um ein Buch in der Form, wie man es kennt, handelt, sondern eben um ein Script. Ein Theatersript zu einem Theaterstück. Es herrscht reger Wortwechsel in Form von über 90% Dialog, aus dem das Buch besteht. Hin und wieder Regieanweisungen. Dadurch wirkt es, als würde die Handlung furchtbar schnell angetrieben und alles passiert Schlag auf Schlag. Das Buch liest sich in einem Rustch und man denkt sich bloß – wie oft auch bei kitschigen Liebesfilmen – „so schnell also?“ Was man dabei schnell verdrängt ist aber eben die Tatsache, dass es sich um ein Theaerstück handelt.
Ein Buch lebt von den Worten des Autors. Zwischenmenschlichkeit, Gefühle, Taten, Gedanken, Orte, Magie… all das lebt, weil der Autor es uns beschreibt, uns sagt was passiert, Einblicke in die Gedanken seiner Charaktere gewährt. Das alles haben wir in einem Manuskript natürlich nicht. Denn ein Manuskript lebt vom Team hinter der Bühne. Vom Regisseur, den Schauspielern, den Kulissen, der Musik, den Effekten und Kostümen. All das, was wir im „Buch“ dieses Mal nicht vorgekaut bekommen haben. Es fehlt. Und womöglich erschließen sich deshalb manche Dinge einfach nicht für einen. Warum alles so schnell passiert, wo der tiefere Sinnn hinter etwas steckt. Doch Schauspieler würden uns diesen Sinn zeigen. Vergesst also nicht: Es ist nur das Script eines Stückes, das auf der Bühne erst zum Leben erwacht.
Und natürlich muss ich auch zugeben, dass es hin und wieder Momente gab, wo ich mir dachte „Aber warum?“ Doch solche Momente gab es auch in den „Original“ HP Büchern und wir Potterheads haben sie trotzdem geliebt, oder? (Auch wenn ich zugeben muss, dass es _eine_ Sache gab, bei der ich lachen musste und mir dachte „Ernsthaft?“^^) Aber alles in Allem mochte ich das Buch. Eine neue Geschichte, mit „neuen“ Charakteren in unserer altbekannten magischen Welt von Harry Potter.
Geht einfach nicht zu hart ins Gericht mit diesem Buch. Es wird nie wieder eines wie Band 1-7 geben. Seht es lieber als einen schönen, letzten (?) Ausflug in das Harry Potter Universum, das uns durch Kindheit und Jugend belgeitet hat.
[Okay, winziger indirekter Spoiler]
Vielleicht stört den ein oder anderen die besondere Freundschaft in diesem Buch, die man sich so nicht hätte vorstellen können in seinen Vorgängern. Doch daran erkennt man doch erst, dass die Charaktere erwachsen geworden sind und man es schafft, über seine Schatten zu springen. Nicht an alten Gewohnheiten festzuhalten. Gerade das hat mir persönlich gefallen.

Wie oben breits erwähnt, hat natürlich jeder seine eigene Meinung und wenn ihr das gelesen habt, dürft ihr natürlich gerne weiter über das Buch wettern, wie scheiße, dumm und schlecht diese vermeintliche Fanfiction doch ist. Aber vielleicht bedenkt ihr meine Argumente auch einfach mal ein bisschen und findet es nur noch halb so „scheiße“. 😉

In diesem Sinne: Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag!

PS.: Meine Lieblingscharaktere waren ja die Malfoys. Besonders Scorpius. 🙂

Das Geschenk

Im Rahmen eines Kurzgeschichten-Wettbewerbs habe ich folgenden Text unten verfasst. Da ich nicht gewonnen habe (aber ihnen hat mein Text immerhin so gut gefallen, dass es einen kleinen Preis gab – juhu^^), kann ich sie hier getrost veröffentlichen.

Alles in kursiv war vorgegeben, der Rest danach stammt aus meinen Finger. Viel Spaß beim Lesen. 🙂

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Das Geschenk
Heiligabend.
Was an diesem Tag ist eigentlich genau heilig?, stöhnt Frida, als sie mit Mühe einem Stapel Geschenke für die Kinder ausweicht, der das ganze elterliche Schlafzimmer in Besitz zu nehmen droht. Im Geiste geht sie zum wiederholten Mal ihre To-Do-Liste durch: Aufräumen. Gänsebraten und Kartoffelknödel zubereiten. Tisch decken. Dafür sorgen, dass alle ein unvergessliches Weihnachtsfest erleben. Wie immer. Die Frida, die macht das schon, – was ist sie nur für eine wunderbare Gastgeberin! Stets freundlich, gut gelaunt – ganz die perfekte Ehefrau und Mutter. 
Den ganzen Vormittag ist sie schon allein in ihrem Häuschen am Stadtrand von Berlin, das Jan für sie beide ausgesucht hatte. Sie erinnert sich noch genau an seine Worte, fünf Jahre müsste das jetzt auf den Tag genau her sein: «Jetzt, wo du schwanger bist, brauchen wir etwas Größeres.»
Sie hat zugestimmt. Vielleicht hat sie in letzter Zeit etwas zu oft ‹ja› gesagt. Ja, geh nur vormittags mit den Kindern auf den Weihnachtsmarkt, ich schaffe das hier schon. Ja, laden wir doch Oma Anita und Opa Bernd an Weihnachten zu uns ein. Klar kann dein Bruder David auch kommen. David, der sich hier wie jedes Jahr einnistet, keine Geschenke für die Kinder dabei hat und das ganze Haus durch seine arrogante Art einzunehmen scheint. Sie fröstelt bei dem Gedanken an ihren Schwager …
Ihr Blick bleibt an der roten Küchenuhr hängen, die ihre besten Tage hinter sich hat. Im Grunde bin ich wie diese Küchenuhr, sagt Frida laut und erschrickt, als ihre Stimme im leeren Haus hallt. Sie streicht sich mit der Hand über die Stirn, ganz so als könnte sie die Gedanken einfach fortwischen.
Das laute Schrillen der Türglocke holt sie abrupt in die Realität zurück. Ausgeschlossen, dass es schon die Familie ist. Hierhin verirrt sich doch eigentlich keiner – schon gar nicht an Heiligabend, seufzt Frida und öffnet langsam die Tür.

Davor steht ein Postbote. Ein Postbote? Um diese Uhrzeit an diesem Tag?
„Guten Abend“, grüßt Frida ihn leicht irritiert, aber der Postbote schaut sie gar nicht wirklich an. Stattdessen wirkt er ein wenig nervös und legt schließlich das Päckchen, welches er in der Hand hält, vor der Tür ab. Dann verschwindet er. Stirnrunzelnd hebt Frida das Päckchen auf und schließt die Tür wieder.
„Für Frida. Erst öffnen, wenn du es verstanden hast.“ Wenn sie es verstanden hat… das tut sie jetzt definitiv nicht! Aber sie hat auch gerade keine Zeit zum Geschenke auspacken, immerhin muss das Essen fertig gemacht, der Tisch gedeckt und die Geschenke unter dem Baum ausgelegt werden.
Auf dem Weg in die Küche, legt sie das Geschenk schon mal unter den Weihnachtsbaum und macht sich wieder an die Arbeit.
Als die Familie langsam eintrifft, ist Frida immer noch in der Küche beschäftigt. Dieses Jahr gibt es für sie so viel Arbeit wie nie. Nicht mal herzliche Begrüßungen schafft sie. Nur flüchtige Hallos mit einem Winken. Das Geschnatter aus dem Wohnzimmer dringt leise zu ihr in die Küche hinüber und ab und zu kommt jemand herein, um etwas vom fertigen Essen hinüber zu tragen.
Als auch Frida endlich fertig ist begibt sie sich in das weihnachtlich dekorierte Wohnzimmer, zum Rest der Familie. Sie nimmt ihren Stammplatz ein und betrachtet stolz das Essen, dass dampfend auf dem Tisch steht.
Ihre Familie wird still und schaut einander an. Es ist Zeit, mit dem Essen zu beginnen. Und danach würde es die große Bescherung geben.
„Meine Lieben“, erhebt Jan das Wort. „Es freut mich, dass wir heute alle gemeinsam hier sitzen, auch wenn ein geliebter Mensch in unserer Runde fehlt.“ Oma Hannelore ist Anfang des Jahres von ihnen gegangen. Frida hatte das tief getroffen, denn es war ihre Mutter. Von da an hatte sie gar kein Elternteil mehr gehabt.
„Aber sie wird in unserem Herzen sein. Und auch heute ist sie bei uns.“ Alle am Tisch bekommen glitzernde Augen. Es rührt Frida, dass alle ihrer lieben Mama so gedenken und es ist auch das erste Weihnachten seit Jahren, dass sie ohne Oma Hannelore feiern.
„So wie wir heute bei ihr sind. Und immer bei ihr sein werden“, sagt Jan mit erstickter Stimme. Alle schweigen, bis ihre 4-jährige Tochter Tina fragt, ob sie essen dürfe, sie sei so hungrig. Am Tisch lachen alle leise und erklären das Essen – nach einem „piep piep piep“ – für eröffnet.
„Das schmeckt so gut!“, verkündet Tina. „Als hätte Mama es gemacht.“
Frida lächelt. „Aber das habe ich doch auch, mein Schatz.“, erklärt Frida ihr lächelnd und Tina schaut zu ihr hinüber.
„Wir haben es nach ihrem Rezept zubereitet“, wirft Oma Anita ein. Stirnrunzelnd blickt Frida sie an. Wir? Frida will nicht unhöflich sein, schon gar nicht an Weihnachten, aber sie hat den ganzen langen Tag in der Küche gestanden!
„Anita“, sagt Frida mit einem Lächeln und bemüht sich um Contenance. „Ich hab-“
„Es hätte ihr geschmeckt“, unterbricht Opa Bernd lächelnd und legt seine Hand auf Anitas. Frida ist etwas verwirrt. Jan sieht zu ihr hinüber und sie blickt ihn fragend an, aber von ihm kommt keine Reaktion. Nur eine stumme Träne, die seine Wange hinunter rollt.
„Darf ich heute Mamas Kugel an den Baum hängen?“, fragt der 7-jähriger Leo. Nicht, dass Frida etwas dagegen hätte, aber eigentlich ist es Tradition, dass jeder seine eigene Kugel an den Baum hängt. Bevor Frida überhaupt etwas sagen kann, antwortet Jan für sie: „Aber natürlich mein Schatz, ihr dürft das gern gemeinsam machen.“ Er schaut sowohl Leo als auch Tina an.
„Ich vermisse Mama“, sagt Tina plötzlich traurig.
„Aber ich bin doch da, Süße!“, sagt Frida lächelnd und streckt die Hand nach ihrer Tochter aus.
„Wir auch, Maus. Wir auch…“, antwortet Jan und wieder kullert eine Träne seine Wange hinunter. David legt seinen Arm tröstend auf den seines Bruders.
Frida starrt stumm auf den Tisch. Was ist hier los?
Sie führt eine Gabel voll Kartoffelbrei in ihren Mund, aber sie schmeckt nichts. Kein Geschmack, keine Wärme. Was ist plötzlich los? Ist der Kartoffelbrei so schnell kalt geworden? Sie nimmt noch einen Happen, aber erneut kein Empfinden, kein Geschmack. Das gleiche probiert sie mit der Gans und dem Rotkraut. Nichts.
„Jan?“, fragt sie nervös und sieht ihren Mann an, doch der ignoriert sie. „Tina? Leo?“ Auch ihre Kinder reagieren nicht. „David! Anita, Bernd!“ Fridas Stimme klingt zittrig. Keiner reagiert.
Frida schluckt und erhebt sich. Irgendetwas läuft hier verdammt schief. Vielleicht träumt sie?
Ja, das muss es sein.
Sie entfernt sich langsam und kneift sich. Einmal, zwei Mal… sie spürt nichts.
Frida lässt sich auf die Couch sinken und vergräbt den Kopf in ihren Händen. Eine lange Weile sitzt sie so da, ehe sie sich endlich wieder erhebt. Ihre Familie ist fertig mit dem Essen und die Kinder hängen die Weihnachtskugel ihrer Mutter gemeinsam an. „Der Engel ist Mama!“, verkündet Leo und deutet auf den kleinen Glitzerengel auf Fridas Kugel.
„Kann sie uns sehen?“, fragt Tina und schaut ihren Papa mit großen Kulleraugen an.
„Ja, mein Schatz. Mama kann uns sehen. Und sie ist bei uns…“ Jan dreht sich um und blickt Frieda direkt in die Augen, was ihr kurz einen Hoffnungsschimmer einbringt, aber sein Blick wird wieder traurig und er dreht sich wieder um.
Einen Augenblick lang schweigen alle, dann versucht Bernd sie ein bisschen aufzuheitern. Kurz danach klopft es an der Tür. Der Weihnachtsmann. Eigentlich nur Onkel Holger, der sich jedes Jahr verkleidet, aber für die Kinder ist es der Weihnachtsmann. Halb lächelnd, halb traurig beobachtet Frida, wie die Kinder singen und Gedichte vortragen und Onkel Holger Geschenke an alle verteilt. Jetzt sind wieder alle glücklich und der traurige Blick von eben verschwunden. Außer aus Jans Augen.
Träume ich?, fragt Frida sich wieder und blickt in den Spiegel über dem Wohnzimmerkamin. Doch sie kann nichts sehen. Nur einen ganz blassen Umriss ihres Körpers, wenn sie genau hinschaut. Nein! Sie muss träumen! Das kann nicht wahr sein!
Die Bescherung ist zu Ende. Der Weihnachtsmann verabschiedet sich und die Kinder packen fleißig aus. Frida sieht ihnen zu bis Onkel Holger vor ihr stehen bleibt. „Du hast dein Geschenk schon bekommen.“, sagt er zu ihr. Irritiert sieht Frida sich um. „Du… du kannst mich sehen?“, fragt sie überrascht. Onkel Holger nickt und lächelt. „Sie wissen, dass du hier bist“, sagt er mit einer tiefen Stimme. Sie wusste gar nicht, dass Onkel Holger so tief sprechen kann. Es klingt gar nicht nach ihm. „Lass los, Frida“, sagt er sanft. „Lass los und pack dein Geschenk aus.“
„Träume ich?“, fragt Frida voller Hoffnung. Onkel Holger lächelt sanft.
„In gewisser Weise ja. Du träumst… für immer.“
Mit großen Augen schaut Frida auf ihre Familie. Keiner hat mitbekommen, dass Onkel Holger sie gesehen hat. Mit ihr geredet hat!
Sie dreht sich wieder zu ihm um, doch er ist verschwunden.
Es ist also wahr, denkt Frida und holt ihr Geschenk. Die Schrift glitzert und ist rot, auf grünem Papier. Vorsichtig wickelt sie es aus und heraus fällt eine kleine Spieluhr in Form einer Schneekugel, in ihre Hand.
Sie zeigt ihr Haus. Es brennen Lichter in den Fenstern und Schnee rieselt auf das Dach, ohne dass Frida die Kugel geschüttelt hätte. Langsam zieht sie die Kurbel auf und es ertönt Carol of the bells.
Im Wohnzimmer hält jeder den Atem an und starrt zu Frida – auf ihre Hand. Frida blickt zu ihrer Familie zurück. Keiner scheint sie zu sehen. Aber hören sie die Melodie?
Frida sieht wie Jan in den Spiegel schaut. Fassungslos. Sie schaut ebenfalls zum Spiegel und da sieht er sie an. Direkt in die Augen und streckt die Hand aus. Kann er sie sehen?
Seine Lippen formen ihren Namen und ein Lächeln breitet sich darauf aus.
Frida spürt, wie etwas mit ihr passiert. Ein Kribbeln. Sie löst sich auf und ihr Spiegelbild verschwindet komplett. Ihr fällt die Spieluhr aus der Hand und sie sieht, wie Tina sofort darauf zu rennt, um sie aufzuheben.
Fridas körperloses Ich entschwebt und ihre Familie wird kleiner. Jan scheint ihr hinterher zu schauen.
„Ich liebe euch!“, ruft sie und kurz bevor sie verschwindet, hört sie Jan sagen: „Ich liebe dich auch.“

 

(Written by Lisa Müller, geb. Gehricke)

The Making of a Merida cosplay – Brave – Part 1

Quelle: The Making of a Merida cosplay – Brave – Part 1

 

Anleitung für ein zauberhaftes Meridakleid – unbedingt mal anschauen 🙂 Wird vermutlich eins meiner nächsten Projekte.

Meine 5 schönsten Halloween-Klassiker

Halloween nähert sich endlich und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich persönlich liebe Halloween! Die Gruselgeschichten, die Kostüme, die geschnitzten Kürbisse und die Gruseldeko überall, Halloweenpartys und natürlich die alten Halloweenklassiker, die man schon als Kind immer geschaut hat. Übrigens rede ich hier gerade nicht von mega trashigen oder fürchtigen Horrorstreifen, sondern von den alten klassischen „Kinder“ Halloweenfilmen 😉 Ich habe diese übrigens nicht chronologisch nach Gefallen geordnet, da könnte ich mich gar nicht entscheiden ^^

Heute möchte ich euch mal meine liebsten Halloween-Klassiker vorstellen und gerne könnt ihr mir in den Kommentaren eure Lieblinge hinterlassen! 🙂

 

HALLOWEENTOWN

 

Halloweentown

 

Wieder einmal ist Halloween und wieder einmal darf Tochter Marnie nicht wie alle anderen Teenager daran teilnehmen. Ihre Mutter ist nämlich gegen jede Art von „Magie“. Als in diesem Jahr Großmutter Agatha zu diesem Fest zu besucht kommt, stellt sich der Grund dafür heraus. Marnies Familie besteht aus Hexen – zumindest die weibliche Seite. Während Marnies Mum Gwen völlig dagegen ist und so normal sein möchte wie möglich, celebriert Agatha das Hexen Dasein voll und ganz – außerdem hat sie beschlossen, dass es Zeit ist, dass Marnie ihre Ausbildung beginnt. Da Gwen aber dagegen ist, trennen sich Gwen und Agatha im Streit und die Kinder bleiben zurück. Weil sie das alles aber unheimlich spannend finden, folgen sie ihrer Großmutter heimlich in den Bus „nach Hause“ und landen in… Halloweentown – einer Stadt voller Hexen, Monster und magischer Wesen, die friedlich zusammen leben.

Als Gwen davon Wind bekommt, reist sie ihren Kindern augenblicklich nach und gerät gemeinsam mit ihrer Mutter in die Fänge eines bösen Dämons. Nun liegt es an Marnie und ihrem Bruder Dylan, die beiden zu retten…

 

NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS

Nightmare before Christmas

Die Bewohner der Stadt Halloween Town (dieses mal ein anderes Halloween Town ;)) streben jedes Jahr ein besseres Halloween an als zuvor. Doch Skeleton Jack, das große Vorbild aller Bewohner, ist es leid jedes Jahr immer wieder das Gleiche Fest zu feiern. Auf einem Waldspaziergang entdeckt er die Tür zur Weihnachtswelt und ist von dieser Welt so beeindruckt, dass er beschließt, diese Jahr Weihnachten zu feiern, statt Halloween.

Also wird Halloweentown zum „Elfenland“ und die Bewohner bereiten Geschenke vor, die alles andere als schön sind, sondern der Schrecken persönlich. Unterdessen lässt Jack den echten Weihnachtsmann kidnappen, um diesen selbst zu verkörpern… doch ob eine von Halloweentown-Bewohnern vorbereitete Weihnacht es wirklich schafft, an die echte heran zu kommen?

 

BEETELEJUICE

Beetlejuice

 

Nachdem das junge Paar Maitland bei einem Autounfall zu Tode kam, ist es gezwungen 125 Jahre als Geister auf Erden zu wandeln – und zwar in ihrem eigenen Haus. Irgendwann zieht dort die dreiköpfige Familie Deetz ein. Nach ein paar kläglichen Versuchen, diese aus dem Haus zu spuken, freunden sie sich zumindest mit der Tochter Ldyia an. Ihre Eltern hingegen wollen die beiden aus dem Haus haben und rufen Poltergeist und Bio-Exorzisten Beetlejuice. Da seine Methoden jedoch sehr fragwürdig und teilweise tödlich sind, verwerfen sie den Plan wieder und versuchen die Geister selbst hinaus zu jagen, Profit aus ihnen zuschlagen und so weiter. Doch auch das geht alles daneben. Als die Eltern eine Beschwörung verhauen, muss Lydia Beetlejuice jedoch zurück rufen, um ihnen das Leben zu retten. Dieser willigt allerdings nur ein, wenn Lydia einer Hochzeit zu stimmt, welche ihn für immer aus dem Geisterreich befreien würde…

 

 

HOCUS POCUS

Hocus Pocus

 

Die drei Sanderson-Schwestern sind Hexen in der Nähe Salems. Und damit sie immer frisch, hübsch und jung bleiben, saugen sie kleinen Kindern die Lebensernergie aus. Als sich zu einer diese Prozeduren der Bruder, Thackery, des auserwählten Mädchens in den Weg stellt, verwandeln diese ihn zur Strafe in einen schwarzen Kater.

Zur großen Hexenvernichtung, werden auch die drei schließlich in Salem verurteil und sollen gehängt werden. Eine der Schwestern spricht jedoch kurz zuvor einen Fluch aus, sodass die drei zurück kehren, sollte jemals eine Jungfrau die schwarzflammige Kerze in ihrem Hause an Halloween entzünden.

300 Jahre später ist es dann soweit – drei Geschwister erfüllen durch Zufall im alten Hexenhaus der drei die Bedingung und die Sanderson-Schwestern kehren zurück. Sie können zwar mit Hilfe von Kater Thackery, der noch immer lebt, fliehen, doch die Hexen nehmen die Verfolgung auf.

Gemeinsam versuchen die drei Geschwister und der Kater nun, die Hexen zurück zu schicken. Dies gelingt ihnen aber nur, wenn die drei Hexenschwestern es in der Halloween-Nacht nicht schaffen sollten, einem Kind erneut die Lebenskraft auszusaugen…

 

CORALINE

Coraline

 

Coralines Eltern zieht es aufs Land – in eine alte Villa, die mittlerweile modern umgebaut wurde. Die zwei sind vielbeschäftigt und haben wenig Zeit für ihre phantasievolle Tochter, denn sie stehen kurz davor, einen Gartenkatalog zu veröffentlichen. Coraline lernt unterdessen ihre skurillen Nachbarn kennen.

Eines Tages entdeckt das Mädchen eine winzige Tür in ihrem alten Haus, die entpuppt sich aber als recht langweilig, nachdem sie geöffnet wird und nur eine Backsteinmauer zum Vorschein bringt. Als Wybie, der Nachbarsjunge, kurz darauf vorbei kommt und ihr eine Puppe schenkt, die Coraline zum Verwechseln ähnlich sieht und die er bei seiner Großmutter gefunden hat, öffnet Coraline die Tür in der selben Nacht erneut – doch dieses Mal ist dort ein Durchgang.

Neugierig wie sie ist, begibt sie sich hindurch in landet in einer Parallelwelt, in der ihre Eltern immer gut gelaunt sind und ihr alle Aufmerksamkeit schenken und auch sonst sind all ihre Nachbarn dort vertreten – mit dem Unterschied, dass dort alle an Stelle ihrer Augen Knöpfe tragen. Weil es ihr dort viel besser gefällt als in ihrer Welt, geht Coraline regelmäßig hinüber. Doch nicht lange bleibt alles so traumhaft und perfekt. Denn als ihre andere Mutter ihr vorschlägt, auf ihrer Seite zu bleiben, sie müsse nur ihre Augen gegen Knöpfe eintauschen, lehnt Coraline ab und das kommt überhaupt nicht gut an. Die andere Mutter entblößt ihre wahre Persönlichkeit – eine spinnenartige Hexe, die Kinderseelen fängt – und verschließt den Durchgang zur echten Welt.

Coraline entdeckt, was es mit den Puppen und den anderen Bewohnern dieser Parallelwelt auf sich hat und beginnt einen Kampf mit der Hexe, um die anderen Kinderseelen und sich zu befreien.

 

 

DIY Umhang (Kostüm)

Es ist lange her, aber nun gibts mal wieder einen DIY Beitrag von mir. Dieses mal für einen Umhang, den ich für ein Hit Girl (Kickass) Kostüm genäht habe, der sich aber genauso gut auch für andere Kostüme verwenden lässt. 🙂 Ist ja auch bald wieder Halloween 😉 Und hier seht ihr, wie er entstanden ist und wie ihr ihn nachmachen könnt.

 


 

Material:

– Stoffe Schwarz und einer beliebigen zweiten Farbe (mind 1m x 1,50m, je nachdem wie lang euer Umhang werden soll)

– schwarzes Garn und eines in eurer selbstgewählten 2. Farbe

– Nadel oder Nähmaschine

– (Stoff)schere

– Maßband oder Zollstock

– Kreide

– Stecknadeln

– Umhangverschluss

Zeitaufwand: 

ca. 5-6 Stunden (mit Hand)


SCHRITT 1

 

Markieren

Zuerst habe ich die Länge abgemessen. Wie viel ich für den Umhang brauche (langes Rechteckt unten) und wie viel für die Kapuze (Quadrat oben).

Leider muss ich gestehen, dass ich die Maße nicht mehr finde, die ich mir notiert habe, aber die Länge des Umhangs könnt ihr ganz individuell selbst bestimmen. Hängt euch den Stoff um die Schulter und messt von dort an bis zu der Stelle hinab, an der er enden soll – bei mir waren das knapp unter dem Po. Daran hängt ihr nochmal mindestens 3-4cm dran, denn der Stoff muss ja später noch vernäht und umgeschlagen werden.

Dasselbe mcht ihr mit der Breite des Umhangs. Legt ihn euch einmal um die Schulter, messt diese Länge ab und hängt mindestens 3-4cm dran.

Die Kapuze macht ihr am besten quadratisch. Damit sie am Kopf nicht zu eng wird, spart nicht mit der Größe. Je größer, desto besser! 😉 Ich habe hier glaube ich ca. 56x56cm genommen. Die Maße der Kapuze benötigt man gleich zwei mal, da am Ende zwei Quadrate zusammen genäht werden.

Diese ausgemessenen Maße markiert ihr euch fein säuberlich mit Kreide (lässt sich hinterher leicht wieder weg wischen) auf je den schwarzen und den andernfarbigen Stoff und schneidet an den Linien entlang.

 

SCHRITT 2

Kapuze nähen

Nachdem ihr die Quadrate für die Kapuze ausgeschnitten habt, näht ihr je ein schwarzes und ein andersfarbiges (ich sage jetzt mal lila, weil ich lila gewählt habe) außen zusammen. Lasst einen kleinen Spalt offen, bevor ihr einmal komplett herum näht, damit ihr den Stoff umschlagen könnt (für die, die sch fragen, was das heißt: Ihr stülpt den Stoff quasi einmal von rechts auf links). Dann erst näht ihr das kleine offene Stück zu. Durch das Umschlagen sieht man am Ende die Naht nicht mehr und es sieht viel hübscher aus (siehe Bild 1)

Danach legt ihr beide ferig genähten Quadrate an einander und vernäht zwei der vier kanten miteinander. Die farbige Seite kommt nach außen, denn auch hier wenden wir den Stoff wieder, sodass die naht und die Farbe innen verschwindet und das Schwarz außen ist (Bild 2).

Wie die Kapuze fertig aussieht, seht ihr auf Bild 3.

 

SCHRITT 3

Umhang nähen

Mit dem Unhang läuft es ziemlich ähnlich ab, nur dass ihr diesen nur einmal habt, statt zwei mal.

Ihr legt die Stoffe aufeinander, näht einmal drum herum alles zusammen bis auf eine kleine Öffnung, wendet den Stoff, damit die Naht verschwindet und verschließt die kleine Öffnung anschließend. Bei mir war es übrigens so, dass die lange Seite des Rechtecks um meine Schultern kommt und der kurze Teil von hals bis Po hinab hängt. Bei euch hängt es dann davon ab, wie lang ihr die Länge eures Umhans genäht habt, um zu wissen, an welche Stelle  die Kapuze kommt.

 

SCHRITT 4 

Umhang raffen & Kapuze annähen

Zunächst wird der Umhang an der Kante gerafft, an der gleich die Kapuze angenäht wird. Das macht ihr, in dem ihr oben die Kanten einmal leicht umschlagt und erstmal mit Nadeln absteckt (Bild 2). Benutzt hier einen besonders langen faden, bzw Garn. Es bietet sich sicher an, einen etwas dickeren Faden zu nehmen, für die Stabilität, ich hab es trotzdem mit Garn gemacht. Ihr näht das Garn also vorsichtig auf der Mitte des „Umschlags“ entlang und rafft vorsichtig immer wieder den Umhang darauf auf. Macht das am besten immer gleich, nachdem ihr den Faden einmal durchgezogen habt, das ist einfacher und die Gefahr, dass der Faden dabei reißen könnte, sehr gering.

So näht ihr einmal die Kante entlang und zur Stabilisierung einfach nochmal an der Raffung entlang zurück. Das müsste dann aussehen wie auf Bild 3.

Anschließend kommt die Kapuze endlich dran. Die näht ihr einmal komplett an der Raffung entlang an. Vom einen Ende der Kapuze zur anderen, damit es dann aussieht wie auf Bild 4.

 

SCHRITT 5

Verschluss anbringen

Und zu guter letzt folgt der Verschluss. Da gibt es ganz hübsche zu kaufen. Diesen hier habe ich für ca 10€ inkl Versand bei etsy bestellt.

Hängt euch den Umhang am besten einfach mal um die Schultern und schätzt in etwa ab, von wo bis wo euer ausgewählter Verschluss laufen soll. Markiert euch die Stellen (ich habs mit Stecknadeln gemacht), nehmt ihn wieder von den Schultern und näht den Verschluss an. Und tadaaa – fertig ist euer Umhang! 🙂

 


 

Die Mondscheinallee – Teil 2

DIE MONDSCHEINALLEE – Teil 2

 

PHILIPP GROSS

Heute Nachmittag war alles perfekt. Wir waren bei Frau Dachmann zum Kaffee eingeladen. Unsere Nachbarn sind alle so liebe Menschen. Und wie herzlich alle miteinander umgehen. Sogar Mindi und ich haben es geschafft. Ich konnte einmal alles vergessen. Manchmal bin ich richtig verzweifelt und denke sogar an suizid. Aber wenn ich dann meine Nachbarn treffe, verwerfe ich die Gedanken. Denn habe ich Hoffnung. Hoffnung, dass wir auch mal so werden wie sie. Glücklich. Seit das Baby da ist, ist Mindi sehr gestresst. Gestresster als andere frische Mütter. Vermute ich.

Es klingelt an der Haustür. Bestimmt die Nachbarin. Anne Miller. Meine Frau hat heute Nachmittag ein Päckchen für sie entgegen genommen, als wir von Kaffee und Kuchen wieder gekommen sind.

„Hallo Anne“, grüße ich sie und reiche ihr schon das Päckchen, welches auf der Treppe neben der Haustür steht.

„Hallo, danke schöön!“, bedankt sie sich strahlend. „Genau deswegen bin ich her gekommen. Vielen Dank!“ Sie nimmt das Päckchen entgegen.

„Nicht dafür, sehr gern. Mach’s gut. grüß deine Eltern“

„Mache ich, grüßen Sie ihre Frau“ Sie winkt mir lächelnd und verschwindet nach neben an. Nettes Mädchen. Ich schließe die Tür und gehe wieder hinein.

Mindi ist beim Baby. Ich höre den Kleinen schreien. Oliver heißt er. Wie Mindis Vater. Ich wollte ihr helfen, aber sie hat mich raus geschickt. Sie war ziemlich negativ geladen und gestresst.

Während sie versucht, Olli zu beruhigen, gehe ich in die Küche und decke den Tisch zum Abendessen.

Als ich fertig bin, schreit der Kleine immer noch, aber ich höre Mindis Schritte. Kurz darauf steht sie neben mir. Der Kopf ist dunkelrot, ihr Haar ist verstrubbelt und verschwitzt und sie sieht nicht gut gelaunt aus.

„Dieses Kind macht mich wahnsinnig!“, ruft sie laut aus und stapft zum Kühlschrank, aus dem sie Butter holt und sie wütend auf den Tisch knallt. „Du hast die Butter vergessen!“, schimpft sie wütend. „Weißt du, am liebsten würde ich dieses beschissene Baby aus dem Fenster werfen!“

„Nein, das möchtest du nicht“, versuchte ich, sie zu beruhigen. Sie ist ein sehr impulsiver Mensch. Das habe ich schon oft zu spüren bekommen. Vor allem, seitdem das Baby da ist. Die blauen Flecken und halbwegs verheilten Wunden an meinem Körper sind der Beweis dafür. Letzte Woche war sie so gereizt, dass sie eine halbe Melone nach mir geworfen hat, ich war sofort ohnmächtig. Ich erinnere mich noch, wie ich danach auf dem Boden aufwachte. Mindi war fort gewesen. Und Oliver hatte geschrien.

Ich muss eigentlich gar nichts machen. Sie wurde ganz von alleine sauer und fing ganz von alleine an, verletzend zu werden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes mal, wenn ich mit jemandem darüber reden oder die Polizei rufen wollte, musste ich mich an ihre Worte erinnern.

„Philipp, ich weiß welchen Dreck zu am Stecken hast! Ein Wort über das, was hier im Haus passiert und alle werden es erfahren!“ So wie sie es gesagt hatte, habe ich keinen Moment an ihrer Aussage gezweifelt.

„Soll ich hoch gehen und Olli beruhigen?“

„Ich gehe davon aus, dass du das tust!“ Ihr Ton ist barsch. Ich gehorche und eile hinauf. Bloß weg von ihr, bevor sie auf dumme Gedanken kommt. Solange ich bei dem Baby bin, würde keinem etwas passieren. Trotz ihrer bösen Worte, würde sie Olli nie etwas antun. Und solange ich bei ihm war, würde sie auch mir nichts antun.

Ich nehme den kleinen Körper aus dem Bettchen. Er bebt vor lauter Geschrei.

Sachte wiege ich ihn hin und her und singe ihm leise ein Lied bis er sich beruhigt. Seine Augen sind ganz geschwollen, rot und nass. Sein Köpfchen ist hochrot und er sieht sehr erschöpft aus. Seine paar Härchen auf dem Kopf sind schweißnass. Langsam fallen ihm die Augen zu. Vor lauter Erschöpfung nehme ich an. Er sieht süß aus, wenn er schläft. Er hat die Nase seiner Mama. Dieselbe kleine, süße Stupsnase.

Langsam gehe ich auf sein Bettchen zu, um ihn dorthin zurück zu legen, da höre ich Schritte hinter mir. Sicher Mindi, die sich freute, dass der kleine endlich ruhig ist. Lächelnd drehe ich mich herum und erstarre. Ihr Gesicht ist immer noch dunkelrot, ihr Gesichtsausdruck entschlossen und in der Hand hält sie unser Fleischermesser. Sachte lege ich Olli in seinem Bett ab, ohne den Blick von Mindi abzuwenden.

„Willst du noch etwas kochen?“, frage ich betont ruhig.

„Wenn du ganz leise bist und ruhig hältst, tut es auch überhaupt nicht weh“

Ganz im Gegensatz zu eben, ist sie plötzlich sehr, sehr ruhig. Es macht mir angst. Ich habe lieber die laute, schimpfende Mindi vor mir. Die kratzende, beißende, mit Melonen werfende Mindi. Ein Messer in ihrer Hand bereitete mir viel größeres Unbehagen.

„Ganz ruhig, Mindi“ Ich versuche so ruhig zu bleiben wir nur möglich und mache eine beschwichtigende Handbewegung. Rühre mich dabei aber nicht vom Fleck.

„Sag mir nicht, was ich zu tun habe!“ Scharf, aber immer noch beunruhigend ruhig.

„Mindi, das möchtest du nicht wirklich. Du bist nur ein bisschen gestresst. Leg das Messer weg und dann lasse ich dir ein heißes Beruhigungsbad ein. Okay?“

Noch immer steht sie im Türrahmen mit dem gefährlichen Messer in der Hand. neben mir im Bettchen hustet Oliver leise. „Bitte Mindi“ ich sehe ihr in die Augen und sie setzt sich langsam in Bewegung. Ich setzte mich ebenfalls in Bewegung. Es ist eine Art Tanz, die wir hier führen. Im Kreis und sehr langsam, laufen wir umeinander herum. Sie läuft immer weiter ins Zimmer, ohne ihren Blick von mir zu lassen. Ich laufe immer weiter gen Flur, ohne den Blick von ihr zu lassen. Viel zu spät bemerke ich, wie dumm ich bin, sie mit dem Messer in Richtung des Babys gehen zu lassen. Bisher beachtet sie es glücklicherweise nicht. Doch ich kann für nichts garantieren, sollte er gleich wieder aufwachen. Im Flur, direkt neben der Tür, steht eine kleine Kommode mit unserem Haustelefon. Ich müsste nur ganz unbemerkt hin gehen, damit ich danach greifen konnte, sobald sie aussetzte. „Was hältst du davon? Und danach massiere ich dich. Dann bist du wieder viel entspannter“, setze ich wieder an. Leise, um sie nicht aufzuregen und um Olli nicht zu wecken.

Ihre Schritte werden schneller. Sie kommt mir entgegen. Weg vom Baby. Zum Glück.

„Ich habe da eine viel bessere Idee. Ich reagiere mich ab und habe danach für immer meine Ruhe“ Ein irres Funkeln blitzt in ihren Augen auf. Panik steigt in mir auf und ich überlege, lieber sofort schon Hilfe zu rufen, bevor es zu spät sein konnte. Sollte die Polizei doch mein Geheimnis raus finden. Lieber wusste ich meinen Sohn lebend, als uns beide tot. Ich habe da ein ganz ungutes Gefühl in der Magengegend.

Im Flur angekommen, gehe ich sachte zur Seite, in Richtung Badezimmer. In diese Richtung steht auch das Telefon. Ich greife vorsichtig danach und wähle 110. Dann lasse ich es in meine Hosentasche wandern. Ich bin so fixiert auf Mindi, dass ich das Kabel des Telefonanschlusses nicht sehen und drüber stolpere. Das löst etwas in meiner Frau aus und sie stürzt laut schreiend auf mich zu. So schnell ich kann, renne ich durch den Flur und schaffe es irgendwie ungeschoren ins Kinderzimmers meines Sohnes, der, durch Mindis Geschrei wach geworden, angefangen hatte zu brüllen. Ich schnappe ihn mir, öffne das Fenster und springe auf den Dachvorsprung, denn ein Zurück gibt es nicht. Dort steht Mindi mit dem Messer. Ich bin wie betäubt. Ich weiß nicht, wie ich es mache, aber ich schaffe es, Oliver und mich auf den Boden zu bringen. Ich spüre etwas Schmerzendes an meiner Schulter und gleich darauf fliegt das Fleischermesser an mir vorbei. Sie hat nach uns geworfen!

Ich reiße mich Olli zu Liebe zusammen, unterdrücke den Schmerz und renne zu den Millers, deren Haus direkt neben unserem steht und hämmere mit einer Hand an die Tür. In der anderen halte ich das schreiende Baby.

„HILFE!“, brülle ich. „Susan! Jan! HELFT MIR!“ Oliver in meinen Armen schreit und mein Puls spielt verrückt. Verängstigt drehe ich mich zu unserem Haus um. Mindi könnte jeden Moment raus kommen.  Weiterhin hämmere ich an die Haustür. „Anne! Hilfe!“ Ich bin müde. Weinend und mit einem bestialischen Schmerz in der Schulter sinke ich zu Boden.

Da fällt mir das Telefon in meiner Hosentasche ein. Mit der freien Hand an der verletzten Schulter ziehe ich es hervor.

„Was ist da los?“, höre ich jemanden aufgeregt am anderen Ende rufen. Man musste mich mit verfolgt haben. Glücklicherweise. „Mondscheinallee“, weine ich ins Telefon. „Schnell. Hilfe!“

Dann rutscht mir das Telefon aus der Hand.  Jetzt hieß es warten und überleben.

Das Mindi noch nicht da war, schien zu bedeuten, dass sie auch nicht mehr kommen würde. Vor den Nachbarn machte sie so etwas nicht. Sie war die Vorzeigenachbarin.

Ich drücke den schreienden Oliver an mich und wippe ihn auf dem Treppenabsatz von Millers Haus hin und her. Warum nur sind wir so kaputt?

 

ANNE MILLER

Heute Nachmittag waren wir bei den Dachmanns zum Kaffee. Allesamt. Die ganze Nachbarschaft. Es ist schön, wenn wir gemeinsam etwas machen. Alle sind so lieb. Eine richtige kleine Vorstadt, mit wundervollen Menschen. Normalerweise habe ich nicht so viel mit ihnen zu tun, da ich nicht mehr hier wohne. Ich bin nur hier, wenn ich meine Eltern besuche. Dennoch ist es schön, etwas mit ihnen zu machen. Auch wenn es nur Kaffee ist.

Jetzt stehe ich im Bad und mache mich fertig. Meine Eltern und ich gehen heute essen, zum Abschied. denn morgen fahre ich schon wieder für ein paar Monate weg.

Ich kippe das Fenster an, damit die Wärme abziehen kann. Was nicht viel bringt, da es draußen auch noch sehr warm ist. Irgendjemand schreit. Nanu? So etwas gibt es doch hier sonst nicht. Hier gibt es nicht mal Gerüchte und Tratsch, da sich niemand etwas zu kommen lässt.

Irgendetwas geht zu Bruch. Was ist denn da los? Vorsichtig spähe ich aus dem Fenster und lausche. Nichts. Niemand zu sehen. Alles liegt still da. Erneut erhebt sich eine Stimme. Eindeutig eine Frau. Aber noch immer ist nichts zu sehen. Wieder geht etwas zu Bruch. Das klingt ganz und gar nicht gut. Ich mache mir ein wenig Sorgen und blicke wieder auf der Straße herum. Meine Blicke gehen zu den Fenstern. Nirgendwo ist etwas zu sehen. Wo die Stimmen her kommen, kann ich nicht zu ordnen.

Ertappt zucke ich zurück, als ein Fenster zu geschlagen wird. Ich sehe noch, wie gegenüber bei den Kiesels die Jalousien leicht wackeln. Die Kiesels streiten. Das war mir vollkommen neu. Hoffentlich konnten sie sich wieder einigen und vertragen.

Das Essen ist lecker gewesen und ich hatte einen wunderschönen, entspannten Abend mit meinen Eltern. Das Wetter ist so schön, heute sind wir zu Fuß unterwegs. Es dämmert schon leicht, als wir in die Mondscheinallee einbiegen. Vor dem Haus der Dachmanns steht Rainers Auto. Darin sitzt eine fremde Frau, die sich die Lippen schminkt. Wer das wohl ist? Ich blicke automatisch zum Fenster und sehe wie Larissa weint. Wir sind kaum an der Haustür vorbei, da eilt Rainer mit Koffern aus dem Haus und wirft sie in den Kofferraum seines Wagens.

„Ich hab es getan. Jetzt können wir ganz normal zusammen sein“, höre ich seine dumpfe Stimme aus dem Auto. Er scheint uns nicht bemerkt zu haben. Als wir um die Ecke biegen, blinkt uns Blaulicht entgegen. Was ist denn hier nur los? Erst das Geschrei am frühen Abend, dann Herr Dachmann mit den Koffern und Frau Dachmann weinend und nun Blaulicht. Ganz viel Blaulicht. Ein Krankenwagen und ein Polizeiauto stehen vor unserer Tür. Nein, vor der Tür der Familie Gross.

Ich sehe, wie die Polizei Mindi in Handschellen abführt, die regungslos vor sich hin starrt. Am Krankenwagen stehen Sanitäter, die mit Philipp reden. Philipp hat das Baby auf dem Arm und wendet den Blick beschämt ab, als ich zu ihm sehe. In seinen Augen sehe ich Schmerz. Seine Schulter ist verletzt und wird gerade notbehandelt.

„Was ist passiert?“, fragt meine Mutter besorgt, aber Philipp senkt nur wieder schweigend den Kopf.

Ein Polizist begleitet uns ins Haus und bittet um Diskretion. Wir verschwinden nach drinnen. Kurz darauf verschwinden die Autos. Und die Blaulichter.

Nachdenklich gehe ich zu Bett. Ich frage mich, was heute nur in unserer Nachbarschaft passiert ist. Mein Blick wandert hinüber zum Haus der Leonhardts. Dort lag es alles ruhig. Zum Glück. Ein kleines Licht brannte in der Küche. Ansonsten war alles dunkel und wieder unheimlich still.

Früh am Morgen wache ich von lauten Geräuschen auf. Türen, die zugeknallt werden. Dumpf, aber laut. Augen reibend setze ich mich auf und schaue aus dem Fenster, wo der Lärm her kommt. Jacob und Sina steigen gerade ins Familienauto. Frau Leonhardt wirft mit ausdruckslosem Gesicht die Tür zu. Das Auto sieht sehr vollgepackt aus. Ein Anhänger ist hinten angehängt. Auch dieser ist sehr vollgepackt. Neben der Einfahrt steht ein großes Möbelauto. Sieht gemietet aus. Ramona fährt los, kaum dass ihr Mann vor die Haustür getreten ist. Das Möbelauto folgt ihr. Bedrückt schaut Kris ihr hinterher. Mein Blick wandert zu den Fenstern. Die Wohnung sieht leer aus. Sehr leer. Kaum noch etwas ist drin. Kurz darauf schnappt sich Kris eines der Fahrräder und verschwindet ebenfalls.

Als ich im nächsten Sommer wieder komme, steht das Haus noch immer leer. Weder Kris noch Ramona sind je wieder da gewesen. Nebenan bei Gross‘ sind neue Nachbarn eingezogen. Mindi sitzt noch im Gefängnis. Larissa Dachmann lebt alleine in dem riesigen Haus mit dem ehemals so schönen Rosenbeet, welches nun traurig aussieht. Meine Eltern erzählen mir, dass man die Kiesels immer noch regelmäßig streiten hört und er die Scheidung eingereicht hat.

Ich dachte immer unsere Nachbarschaft sei filmreif. Was genau alles vorgefallen ist, weiß ich nicht, aber nun habe ich das Gefühl, wir sind die einzige glückliche Familie hier.

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(written by Lisa Müller, geb. Gehricke)

Die Mondscheinallee – Teil 1

Jede noch so nach außen perfekt wirkende Familie, hat seine Laster. Diese Kurzgeschichte, erzählt die kleinen Geschichten solcher Familien aus der Mondscheinallee.

DIE MONDSCHEINALLEE – Teil 1

RAMONA LEONHARDT

Heute habe ich die Nachbarn gesehen. Familie Dachmann. Er stand am Rosenbeet und hat es gepflegt. Sie sind sein Ein und Alles. Die Rosen. Fast jeden Tag steht er dort und stutzt sie, redet mit ihnen oder betrachtet sie einfach nur. Sie sehen auch wunderschön aus. Meine Familie und ich bewundern das Beet jedes Mal, wenn wir daran vorbei laufen. Wunderschön. Wie seine Frau Larissa. Während er sich um die Rosen kümmerte, lag sie im Bikini auf der Liege und hat sich gesonnt. Mit einem knallroten, ausschweifenden Sonnenhut auf dem Kopf. Genauso knallrot wie ihr Bikini. Dabei las sie die Freundin. Ich kenne die Zeitschrift nur aus dem Regal. So etwas lese ich nicht. Ich mache lieber Sodoku.

Sie sind ein wirklich hübsches Paar. Rainer hat zwar schon einen kleinen Bauch, was ihn aber nicht weniger attraktiv machte als damals, als sie hier her gezogen sind. Und wie liebevoll sie immer miteinander umgehen. Das vermisse ich ein bisschen mit meinem Mann. Kris und ich sind nur noch in der Öffentlichkeit und in Gegenwart unserer Kinder so. Damit niemand merkt, wie es wirklich um uns steht. Ein bisschen Idylle müssen wir einfach bewahren. Unseren Kindern zu Liebe. Sina und Jacob. Sie sind neun und elf Jahre alt.

Gegenüber sehe ich die anderen Nachbarn im Wohnzimmer. Die Millers. Sie sitzen im Wohnzimmer und unterhalten sich. Ihre Tochter Anne ist zu Besuch. Seit sie studiert ist sie nur selten da. Jetzt unterhalten sich alle ganz angeregt und lachen. Ich beneide sie irgendwie.

Die Kiesels lachen auch viel miteinander, wenn sie mit ihrer Tochter im Garten sind. Wie heute Nachmittag. Ihre vierjährige Tochter Chantal hat in ihrem aufblasbaren Pool geplanscht mit Schwimmflügeln. Das sah niedlich aus. Danach hat sie gemeinsam mit ihren Eltern Memory gespielt. Dabei haben sie sehr viel gelacht und sich gegenseitig gelobt. Auch die Eltern. Kris lobt mich kaum noch. Er redet generell sehr wenig mit mir. Auch, wenn wir etwas mit unseren Kindern unterwegs sind. Dann ist er zwar nett, aber dennoch wortkarg. Das ganze Gegenteil von Philipp Gross. Ein weiterer Nachbar. Er ist so lebendig und redet ununterbrochen. Viele interessante und viele lustige Sachen. Ständig bringt er seine Frau damit zum Lachen. Die zwei wirken sehr harmonisch miteinander. Manchmal habe ich das Gefühl, alle hier sind glücklich. Außer uns.

Ich fahre herum als ich den Schlüssel in der Tür höre. Es ist schon spät, die Kinder liegen schon lange im Bett.

„Kris?“, rufe ich leise und laufe ihm entgegen. Er hat Augenringe und sieht nicht gut aus. Fertig und unzufrieden. „Alles okay?“ Ich ahnte, wo er gerade her kam. Wie fast jeden Abend. Wenn wir gerade mal nicht heile Familie spielen, dann verschwindet er direkt nach der Arbeit dort hin und kommt erst sehr spät wieder nach Hause. Nur selten ist er dann gut gelaunt.

Statt mir zu antworten, macht er eine wegwischende Geste mit der Hand und schlurft an mir vorbei in die Küche. Ich laufe ihm hinterher und beobachte, wie er sich ein Bier aus dem Kühlschrank holt und es öffnet und trinkt, ohne den Kühlschrank wieder zu schließen. Ich gehe hin und schließe die Tür.

„Warum?“, frage ich ihn, doch er weicht meinem Blick aus.

„Du verstehst das nicht“, brummt Kris und trinkt weiter.

„Nein, das tue ich nicht“

Wir haben schon so oft darüber geredet, aber er hat mir den Grund nie erklären können. Ich weiß auch nicht genau, wann es angefangen hat. Vor ein paar Monaten. Vielleicht vor fünf oder sechs. Vielleicht aber auch zehn oder elf. Ich weiß es wirklich nicht mehr, aber es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Das Streiten bin ich leid geworden. Es hat viele laute und böse Worte gegebene, wenn die Kinder nicht im Haus waren. Aber jetzt nicht mehr. Ich bin einfach so müde.

„Was willst du als nächstes opfern? Die Fahrräder? Das Auto? Das Haus?“ Ich klinge ein wenig zynisch, weshalb er mir einen bösen Blick zu wirft. Aber ich erkenne auch Schmerz darin. Irgendetwas sagt mir, dass dieser Blick nichts Gutes zu heißen hat.

„Was ist los?“, hake ich argwöhnisch nach.

„Nichts!“, brummt er unwirsch und stellt die halb leere Bierflasche in der Spüle ab. Dann läuft er schnurstracks die Treppen hinauf in unser Schlafzimmer. Die Arme an meinen Morgenmantel gepresst, laufe ich ihm hinterher und packe ihn am Arm.

„Was ist los?“, wiederhole ich energischer. Kris schüttelt meinen Arm ab und holt eine Kiste und eine Reisetasche vom Schrank herunter.

„Wir sollten anfangen mit packen“, sagt er tonlos und holt ein paar Jenas aus dem Schrank. „Wir haben noch einen Tag“

Mir klappt die Kinnlade runter und ich spüre, wie mir sofort Tränen in die Augen schießen. Ungläubig lasse ich mich auf unser Bett sinken und vergrabe mein Gesicht in den Händen. Sie werden augenblicklich feucht. Genauso feucht wie meine Augen. Es hört gar nicht mehr auf, genauso wenig wie Kris aufhört mit packen.

„Das Auto haben wir noch“, meint er knapp, als würde mich das trösten. „Damit können wir fahren. Die Fahrräder bleiben hier“

Ein erneuter Stoß Tränen durchfährt mich und ich fange an zu schluchzen. Einmal die Woche gehen wir mit unseren Kindern auf Fahrradtour. Damit sie nichts mitbekommen und ihren geregelten Familienausflug haben. Wie sehr würden sie weinen.

Kris macht gerade gar nichts. Außer packen. Er sagt keine tröstenden Worte, keine Entschuldigung, kommt nicht zu mir und legt seinen Arm nicht um mich. Am liebsten würde ich schreien. Aber ich möchte die Kinder nicht wecken und ihre Idylle nicht zerstören. Und ich weiß, dass Schreien nichts bringen würde. Das Haus ist so oder so weg. Verspielt. So wie unsere gesamten Rücklagen. Unsere Spülmaschine. Die Sparbücher für die Kinder. Meine Lieblingsküchenmaschine. Unser Flat Screen. Unser Laptop. Wie sollte ich das nur den Kindern beibringen? Ich werde gehen. Wenn wir hier fortgehen, werde ich abhauen. Und ich nehme die Kinder mit.

Warum nur müssen wir so kaputt sein?

DANIEL KIESEL

Heute Nachmittag saßen wir mit unserer Tochter Chantal im Garten. Es war ein wirklich wunderschöner Tag. Sehr heiß. 30°C und blauer Himmel. Chantal hat in ihrem aufblasbaren Swimmingpool gebadet danach haben wir Memory gespielt. Es war ein wirklich schöner Tag!

Wenn nur jeder Tag so wäre. Der ganze Tag. Sobald Chantal im Bett liegt, geht das Donnerwetter los. jeden Abend.

Ich blicke zu den Millers hinüber, die gerade Besuch von ihrer Tochter Anne haben. Es wird gelacht und sich angeregt unterhalten. So etwas gibt es bei uns nicht. Nicht abends. Da ist hier die Hölle los.

Manchmal frage ich mich, ob die Nachbarn das mitbekommen. Vor allem die Leonhardts. Unsere Häuser stehen sehr dicht aneinander. Sie höre ich nie streiten. Sie wirken immer so glücklich. Erst heute Nachmittag haben die Kinder zufrieden im Garten gespielt und Ramona Leonhardt hat den beiden Eis und Saft gebracht. Ihr Mann war arbeiten. Er arbeitet immer sehr lange. Bestimmt genießen sie ihre Abende deshalb sehr. Wie soll es da auch zum Streit kommen? Generell höre ich nie jemanden in der Mondscheinallee streiten. Ich schaue zum Fenster, welches angekippt ist. Sonst ist es immer geschlossen. Immer. Vermutlich hört man uns deswegen auch nicht. Hoffentlich. So ganz sicher bin ich mir nicht.

Wieder blicke ich aus dem Fenster zu den Millers. Doch gleich darauf sehe ich die Hand meiner Frau Kristen,  wie die ruppig die Jalousien runter lässt. Gleich würde es losgehen.

„Warum verdammt nochmal ist der Wagen noch nicht gewaschen?“, fragt sie Zähne knirschend.

„Wir waren doch den ganzen Tag-“

„Jetzt komm mir nicht mir Ausreden!“ Ihr Finger wedelt vor meiner Nase herum. „Du hättest den Wagen vor dem Abendessen in die Waschanlage bringen können!“

„Da habe ich das Bad geputzt“

„Dann hättest du es eben davor oder danach gemacht!“, schreit sie mich an und ich mache mich klein. „Wie soll das denn aussehen, wenn ich morgen mit dem verdreckten Wagen bei meinem Boss vorfahre?“

„Entschuldigung“
„Das bringt mir jetzt auch nichts mehr. Immer schaffst du es, mich zu blamieren!“

„Ich wollte nicht-“

„HALT DIE KLAPPE!“ Nun schreit sie richtig laut und der Fotorahmen mit unserem Hochzeitsbild drin fliegt von der Kommode, als sie gestikuliert. „Du bist ein Nichtsnutz! Ich weiß gar nicht, warum ich überhaupt noch bei dir bin! Wozu bist du denn gut?“

„Ich mache den Haushalt, kaufe ein, koche, bring Chantal ins Bett-„, fange ich ruhig an aufzuzählen, damit sie weiß, was sie an mir hat.

„Willst du mir jetzt etwa vorwerfen, dass ich nichts mache?“ Mit jedem Wort wird sie wieder lauter und nun ist die Vase dran. Das Blumenwasser saugt sich in den Teppich ein und ein paar kleine Scherben springen durch die Gegend.

Ich hätte einfach gehen sollen, als das alles angefangen hat vor vier Jahren. Aber ich liebe sie so sehr und meine Tochter Chantal. Und ich möchte nicht, dass Chantal mit getrennten Eltern aufwächst. Sie soll eine glückliche Familie haben. Sie soll nicht so aufwachsen wie ich.

„ICH REDE MIT DIR!“, fährt sie mich an und ich zucke zusammen, als mich ein Feuerzeug am Kopf trifft. Warum ich nicht zurück schreie? Ich bin müde. Außerdem möchte ich mein Kind nicht wecken. Oft schläft sie durch und bekommt von uns nichts mit, aber manchmal steht sie doch in der Tür. Dann fühle ich mich immer schlecht. Was soll sie nur von ihren Eltern denken?

„Sprich, du Trottel! Willst du etwa behaupten, ich würde nichts machen?“

„Das habe ich nicht gesagt“ ich versuche ruhig zu bleiben. „Ich wollte dir nur sagen, weshalb du mich brauchst“
„Du denkst also, ich bin auf dich angewiesen?“ Unfassbar schaut sie mich an und klatscht mir eine. Es tut kaum noch weh. Immer wieder aufs Neue tut es mir innerlich weh, aber meine Wangen sind abgestumpft. Beide.

„Bitte beruhige dich. So habe ich es nicht ge-“

„ICH SOLL MICH BERUHIGEN?“ Am liebsten würde ich mir die Ohren zu halten, aber dann würde sie mir gleich die nächste Ohrfeige verpassen.

„Du weckst noch Chantal“, erkläre ich so ruhig wie möglich.

„ICH wecke Chantal? Weshalb muss ich denn hier rumbrüllen und mich aufregen? Deinetwegen!“ Sie tippt mir mit ihrem langen Fingernagel kräftig auf die Brust. Es kratzt unangenehm. „Wenn Chantal also wach wird, dann deinetwegen!“

„Okay, du hast recht, meinetwegen“, gebe ich klein bei. Hauptsache sie ist endlich ruhig und unsere Tochter hört ihre Eltern nicht streiten.

Kristen schaut zum Fenster und bemerkt, dass es offen ist. Panisch eilt sie hin, um es sofort und lautstark zu schließen. Lautstark vermutlich nur aus reiner Panik, man könne uns hören, nicht, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen.

„Mama. Papa“ Ich fahre herum und sehe Chantal an der Tür stehen.

„Mäuschen, du bist ja wach“ Mit einem Mal ist Kristen wieder ganz ruhig. Sie geht auf Chantal zu, nimmt sie auf den Arm. Mir wirft sie einen bösen Blick zu. „Komm, ich bring dich wieder ins Bettchen“

„Papa“, sagt Chantal und streckt ihr kleines Händchen nach mir aus. „Papa, soll mich ins Bett bringen“

Ein wütend funkelnder Blick zu mir von meiner Frau, ein sanftes Streicheln über Chantals Köpfchen.

„nein, Mäuschen, der Papa muss aufräumen. Beim Proben ist ihm aus Versehen etwas herunter gefallen. Ich bringe dich“ Und fort ist sie.

Beim Proben. das sagt sie immer. nach unserem ersten Streit, den unsere Tochter mitbekommen hat, hat Kristen behauptet, ich würde als Hobby in einer Schauspielgruppe mitmachen. Seitdem ist das die Standartausrede geworden, wenn Chantal doch mal wach wurde. Wir proben nur für Papas neues Theaterstück. Traurig, dass es soweit gekommen ist, bücke ich mich und sammele die Scherben einzeln und vorsichtig auf. Unseren Nachbarn schien es allen so gut zu gehen. Warum nur sind wir so kaputt?

LARISSA DACHMANN

Rainer hat gestern wieder seine Rosen gepflegt. Seine wunderschönen Rosen. Die Nachbarin Ramona Leonhardt hat einmal gesagt, sie seien genauso hübsch wie ich. Sie ist so charmant. Rainer hat so etwas früher auch mal zu mir gesagt. Damals fand ich ihn noch charmant. Heute leider nicht mehr so sehr. Er spart viel mit Komplimenten und netten Worten. Seit fast einem Jahr schon. Es hörte so ganz allmählich auf und ich vermisse es ein bisschen. Um nicht zu lügen: Ich vermisse es sogar sehr.

Nach der Gartenarbeit gestern ist er fort gegangen. Er musste noch einmal ins Büro. Hat etwas vergessen. Er musste ziemlich lang gesucht haben, denn als er zurückkam, lag ich schon im Bett. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob er wirklich nur gesucht hat. Vielleicht hat er ja noch den einen oder anderen Kollegen zum Feierabend angetroffen und war noch ein Bierchen trinken. Das ist doch okay. Das kann er mir doch sagen. Aber er sagt es nie.

Heute macht er Überstunden. Er hat einen Sonderauftrag bekommen, deshalb ist er heute länger unterwegs. Ich bin also den ganzen Tag alleine zu Hause gewesen. Habe Kekse gebacken und die Nachbarn eingeladen. Die Leonhardts, die Gross‘, die Millers und die Kiesels. Alle sind sie gekommen. Sogar ihre Kinder haben sie mitgebracht. Da habe ich noch schnell einen Kuchen gebacken, damit es für alle reicht. Die Millers waren so lieb, noch einen Kuchen mitzubringen und von den Leonhardts gab es Saft. Es war ein sehr netter Nachmittag. Alle waren da. Mit Frau, Mann und Kindern. Ein bisschen hatte es mich traurig gestimmt, dass ich als einzige ohne Mann da saß. Da meiner der einzige war, der an einem Samstag einen Sonderauftrag bekommen hatte. Aber das war schon okay. Immerhin brachte es mehr Geld. Und Geld kann man ja immer gut gebrauchen. Nicht wahr?

Die Nachbarn sind alle sehr nett und freundlich gewesen und gegen Nachmittag wieder gegangen.

Nachdem sie weg waren, rief Rainer mich an. Noch eine Stunde, dann ist er da.

Das ist nun über zwei Stunden her und ich sitze hübsch gemacht vor dem Fernseher. Nach seinem Anruf habe ich mich gleich schick gemacht. Das kurze Schwarze, welches er mir vor einigen Jahren zu Weihnachten geschenkt hatte und was ihm an mir so gefällt. Löckchen habe ich mir gemacht und währenddessen einen leckeren Braten im Ofen gehabt.

Die Kerzen, die ich am fein gedeckten Tisch angezündet habe, sind fast hinunter gebrannt und das Essen ist auch schon wieder kalt. Ich würde es nochmal aufwärmen müssen, wenn er endlich kam.

Als ich endlich den Schlüssel im Haustürschloss höre, schalte ich den Fernseher auf und springe vom Sofa. Ich eile durch die Küche, um Herd und Ofen anzumachen und laufe weiter zur Tür, die Rainer gerade hinter sich schließt.

„Schatz!“, lächele ich glücklich und gebe ihm einen Begrüßungskuss. Er lächelt mich an und schlüpft aus seinen Schuhen. Er sieht schick aus. Anzug, Krawatte und feine schwarze Lederschuhe.

„Wie schön, dass du endlich da bist. Ich habe uns ein leckeres Essen gekocht mit einem ganz reizenden Nachtisch!“ Ich zwinkere ihm verheißungsvoll zu und spiele ein bisschen mit meinen Reizen. Er schaut mich nicht mal an. Nicht so, wie er es noch vor einem Jahr getan hat. Ob er das kleine schwarze überhaupt bemerkt hat?

„Das ist wirklich lieb von dir, aber ich habe schon gegessen“

Meine Mundwinkel wandern hinunter und meine Schultern werden schlaff.

„Oh… nicht schlimm“, sage ich traurig. „Dann essen wir es morgen“

Ich gehe geknickt in die Küche, um her und Ofen wieder auszumachen. Dann gehe ich ins Wohnzimmer, um die letzte noch brennende Kerze auszupusten. Danach greife ich nach dem Geschirr und räume langsam ab.

„War dein Tag sehr anstrengend?“, frage ich mitfühlend. Er schüttelt den Kopf.

„Er war wunderschön“, antwortet er und obwohl ich es ihm glaube, sieht er sehr ernst aus. Er schaut mich an und kommt auf mich zu. Er nimmt mir die Teller aus der Hand und greift nach meiner freien Hand. „Du musst jetzt stark sein“ Ich fühle, wie mein Körper genau das Gegenteil macht. Ob jemand gestorben ist? Nein, dann wäre sein Tag nicht wunderschön gewesen. Oder?

„Ich habe da jemanden kennen gelernt“ Meine Knie zittern. „Vor zwei Jahren“ Meine Hand rutscht aus seiner. „Seit einem Jahr gehen wir miteinander“ Meine Augen werden feucht. „Ich liebe sie. Ich werde zu ihr ziehen“ Rainer nimmt mich in den Arm und ich bin zu schwach, um ihn weg zu stoßen.

Mit einem Mal wird mir alles klar. Die Überstunden, verlorene Fundstücke im Büro, Feierabend Bierchen, die er nie genannt hatte, Sonderschichten, dass er mich nicht mehr ansah oder mir Komplimente machte. Die Tränen brechen aus mir raus und er lässt mich los.

„Es tut mir leid“, lauten seine letzten Worte, bevor er im Schlafzimmer verschwindet. Ich höre ihren kramen. bestimmt packt er seine Sachen. Es hupt. Durch den feuchten Schleier meiner Tränen, blicke ich aus dem Fenster. Dort steht sein Auto. Auf dem Beifahrersitz sitzt eine Frau. Ich möchte sie sehen, also gehe ich weinend zum Fenster und wische mir die Tränen aus dem Gesicht. Meine Rückhand ist ganz nass und schwarz. Die Frau zieht sich gerade im Rückspiegel den Lippenstift nach. Seine Sekretärin. Ich breche auf dem Boden zusammen und weine. Lange und intensiv. Es ist noch nicht greifbar und doch so real. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt Rainer zurück, zwei Koffer in der Hand.

„Ich komme morgen den Rest holen. Mach’s gut, Larissa“ Dann geht er und lässt mich alleine zurück. Ganz alleine. In diesem großen Haus mit dem wunderschönen Rosenbeet vor der Tür. Wie kann er sein Rosenbeet nur einfach so zurück lassen?

Wahrscheinlich bin ich jetzt der einzige Single in der Mondscheinallee. Alle werden über mich reden. Und ich werde weiter weinen. Ich hätte es viel früher wissen müssen. Warum nur ist alles bei uns so kaputt?

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Die letzten Geschichten folgen in Teil 2.

(Written by Lisa Müller, geb. Gehricke)

GoButler unter der Lupe

GoButler

Vor Kurzem ist plötzlich dieses GoButler aufgetaucht und keiner weiß so recht, was genau oder wie seriös das ist oder wie unseriös. Die Hauptfrage die dabei am Meisten beschäftigt ist: „Das ist gratis? Und wie finanzieren die sich dann bitte?“

Genau das hat mich auch interessiert, deshalb hab ich mich mal ein bisschen erkundigt UND den Selbstversuch mit GoButler gewagt.

Ich habe mich angemeldet, zwar mit Warteliste, aber nach nur einem Tag war ich bereits dabei.

Das Team von GoButler schreibt ca. 1x wöchentlich von sich aus, grüßt freundlich, wünscht einen schönen Tag oder ein schönes Wochenende und erkundigt sich, wie sie einem den Tag versüßen können. Finde ich persönlich schon mal eine liebe Geste. So geraten sie natürlich auch nicht In Vergessenheit. 😉

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Nun zu den Frageklärungen.

Was kostet GoButler?

Anfragen sind generell immer kostenlos. Egal worum es sich handelt. Man muss es ja im Endeffekt nicht ausführen lassen, denn handelt es sich um zu bezahlende „Gegegnstände“ (zB einen Einkauf, eine Pizza, neue Schuhe, etc.), bekommt man zunächst erstmal gesagt, was einen das kosten würde. Und DANN erst, sagt man Ja oder Nein. Man ist also nicht zwanghaft verpflichtet zu zahlen, nur weil man sich nach einem Service erkundigt.

Kleine Auflistung:

Gratis:

  • Informationen (zB. Bahnzeiten, Was würde es kosten, wenn…)
  • Reservierungen, bei denen man erst vor Ort zahlt (zB. Karten im Kino, Tischreservierung im Restaurant, …)

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Kostenpflichtig:

  • Reservierungen, bei denen man sofort zahlen muss (zB. Flüge, diverse Hotels, …)
  • Gegegnstände (zB. Taschen, Klamotten, Schuhe, Möbel, …)
  • Essen & Trinken (zB. Wocheneinkauf, Pizza, Bier,…)
  • Geschenke (Muttertagsgeschenk, Geburtstagsgeschenk, …)
  • Also quasi alles, wofür ihr eh zahlen müsstet, wenn ihr es selbst erledigen würdet und wofür externe Produkte und Diensleistungen angefordert werden müssen

Ich habe übrigens mal bei James, Bitte! (nähere Infos dazu weiter unten) nach einer Lieferung angefragt. Die Lieferung kostet dort auch nochmal, je nachdem von wo nach wo, schließlich fallen Bahn- oder Spritkosten an.

Wie sich das allerdings bei Go Butler verhält und ob es stadtabhängig ist (innerhalbs Berlins zB sicher günstiger als von xy nach Buxtehude), weiß ich leider nicht ganz genau. Joko jedenfalls sagte in seinem Interview mit Stefan Raab in etwa folgendes:

„Wenn jemand eine Pizza für 8€ bestellt, zahlt er eben 8,80€, da wir auf solche Produkte 10% drauf schlagen.“ (Nicht wortgetreu, aber Inhalt ist derselbe.)

Vermutlich entsprechen also die 10% den Lieferkosten, wenn GoButler etwas persönlich bringt, zumindest habe ich für meinen Auftrag, die per Internetbestellung ablief, keinen Aufschlag bezahlt.

Nun zur Frage: Was hat GoButler davon? 

Von euren Gratisanfragen haben sie „nichts“, außer dem guten Gefühl, jemanden geholfen zu haben 😉

Von den kostenpflichtigen Anfragen haben sie 10% (siehe oben).

Egal, was ihr kostengebundeses bestellt, es kostet euch den regulären Einkaufspreis + 10% Aufschlag für GoButler. (Sagte Joko neulich bei Stefan Raab, als er das Konzept GoButler vorstellte)

Das ist aber natürlich nicht alles. GoButler ist ein Startup Unternehmen und finanziert sich hauptsächlich durch Sponosren. Hauptsponsor ist hier Joko Winterscheidt, der die Fimra mittlerweile mit leitet.

Was du übrigens auch selbst bezahlst, sind natürlich die SMS an GoButler. 😉

Man muss also wissen, es kostet schon was, sogar mit kleinem Aufschlag, dafür muss man sich um nichts selbst kümmern, außer den Wunsch genau abzugeben. Ob man es nun nutzen will oder die Wege lieber selbst erledigt, bleibt dann natürlich jedem selbst überlassen. 😉

Wie bezahle ich?

Bezalt wird über das Payment-System PayPal. Sobald der Auftrag  bestätigt wurde, gib es einen Bezahllink fü PayPal und das Geld wird darüber eingezogen. Geht also auch locker von unterwegs aus und man muss keinerlei Daten weitergeben, außer die bei PayPal angemeldete E-Mail Adresse.

In einem TV-Interview mit den Gründern habe ich gehört, dass diese Daten auch nicht hinterlegt werden, sondern wohl jedes Mal neu angegeben werden müssen – sprich: Die Mailadresse.

Adressen zum Liefern können hinterlegt werden.

Was erledigt GoButler alles?

GoButler versucht alle Aufträge zu erfüllen, insofern sie möglich und legal sind. Ob sie also beispielsweise ein Kamel aus Afrika einfliegen würden, ist fraglich. 😉 Und ein Einbruch verüben wäre gar nicht drin.

Dafür sind sie allerdings 24/7 erreichbar. Also wirklich rund um die Uhr – ohne Pause!

Außerdem ist GoButler gerade dabei, seine Netze im Ausland auszubauen.

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Wie lange dauert die Bearbeitung eines Auftrags?

Informationen bekommt man ziemlich schnell. Das heißt innerhalb einer halben Stunde bekommt man immer Antwort. Handelt es sich also um etwas sehr dringliches („Ich brauche in zehn Minuten hier ein Taxi“), ist das eher nicht machbar.

Handelt es sich um einen Auftrag, der mit mehr verbunden ist, zB einer Bestellung, kann sich da schon über einen Tag hinziehen. Es sind aktuell 50 Mitarbeitet die mindestens 100 Mal so viele Anfragen bearbeiten (sicher sogar mehr, da hab ich jetzt nicht recherchiert ;)), daher dauert eine Antwort manchmal seine Zeit, zumal ja das Recherchieren der Mitarbeiter mit beachtet werden muss.

Überlegt euch also rechtzeitig, wann ihr was haben wollt. Sicherlich kommt eine Pizza aber schneller bei euch an als eine Handtasche. 😉

Ich habe hier zB auch einen Auftrag gegeben, der noch mehrere Tage Zeit hat. Wenn es dringlicher ist, beeilt sich das Team sicher – ich gehe zumindest davon aus.

Gibt es noch mehr solcher Wunscherfüller?

Ja, GoButler ist nicht die erste und einzige derartige „Organisation“.

Angefangen hat die Idee in Amerika (Magic), kam auch auch bald nach Deutschland.

Bisher gibt es zum Beispiel James, Bitte!, die ein ziemlich großes Netz geworfen haben. Auch im Ausland erfüllen die mittlerweile beispielsweise deine Wünsche, solange der Wunsch von einer deutschen Handynummer kommt (und natürlich was Legales beinhaltet). Und man erreicht sie sowohl per SMS, als auch per Facebook oder WhatsApp mit Anfragen. Wohingegen GoButler derzeitig noch „nur“ per SMS erreichbar ist. Übrigens werben sie auf ihrer Facebookseite damit, dass sie unter anderem sogar zu einem nach Hause kommen und aufräumen oder deine Feierlichkeit planen. Was sowas wohl kostet? … 

Und dann gibt es noch die Firma Sixtyone. Soweit ich das in Erfahrung bringen konnte, bauen die auf eine eigene App und möchten eine Mitgliedsgebühr von rund 10€/Monat.

Mywichtel und bringmir.jetzt sind auch noch zwei Unternehmen, mit denen habe ich mich bisher aber nicht weiter beschäftigt.

Mein persönliches Fazit

GoButler und die anderen Dienste sind sicher ein tolles Angebot für Faule 😉 und auch für kostenlose Informationen, Reservierungen, Auslandsaufenthalte etc. Wenn es aber um kostenpflichtige Aufträge geht, würde ich persönlich ganz genau überlegen, ob ich das jetzt über den Service laufen lasse oder nicht doch lieber selbst in die Hand nehme, je nach Aufschlag und ob ich selbst in dem Fall nicht schneller wäre oder ein günstigeres Produkt finden würde und wie dringlich es ist.

Wo ich den Service aber auf jeden Fall gerne ausprobieren möchte, ist auf Reisen. Denn da hat man nicht immer Internet im Ausland zur Hand, um mal eben was nachzuschlagen oder zu resverieren, wie zB spontan eine Nacht auf dem nächsten Campingplatz. Und für solche Dienste ist solch ein Service sicher großartig!

Und nochmal ganz speziell zu meiner Testbestellung oben: Leider ging es etwas schief, es wurde sofort bestellt und wird schon Dienstag, statt am Sonntag geliefert. Ich tippe  aber mal, dass das eher ein Einzelfall ist und nicht permanent vorkommt. Also: Vor der endgültigen Bestellung sicherheitshalber nochmal GoButler ansagen, WANN genau die Bestellung geliefert werden soll!

Fakt ist also: Ich persönlich bleibe lieber bei eigenen Bestellungen, nehme aber sehr gerne die Gratisangebote und Auskunftsbereitschaft von GoButler in Anspruch! 🙂


Habt ihr schon Erfahrungen mit GoButler oder einem der anderen Dienstleister gemacht? Dann berichtet doch davon in den Kommentaren! 🙂 Würde mich sehr interessieren und sicher auch einige Leser! 🙂